Nnedi Okorafor – Tod der Autorin, Birgit Rabisch – Tod der Autorin, oder: Tod des Titelschutzes? – Teil 2

Nnedi Okorafor hat einen Roman mit dem Titel Death of the author geschrieben, der am 2. Januar 2026 im Ullstein Verlag unter dem Titel Tod der Autorin erschienen ist.

Tod der Autorin ist allerdings der Titel des ein Jahr zuvor bei duotincta erschienen Romans von Birgit Rabisch. Ein Roman, der eine Schlüsselstellung in ihrem Werk einnimmt.

Birgit Rabisch hat uns darauf aufmerksam gemacht und aus unserer Sicht liegt hier eine Verletzung des Titelschutzes vor. Also haben wir den Kontakt zu Ullstein gesucht und sind gerade im Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen dort. Mehr dazu weiter unten. Denn zwischenzeitlich hat Birgit Rabisch ihr Statement nicht nur auf Mastodon gepostet, sondern auch in anderen Netzwerken, darunter Facebook. Der Verlag duotincta hat sich schon des Längeren aus seinerzeit Twitter, heute X, Facebook & Co zurückgezogen. Ein Prozess, der mit der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels für Jaron Lanier und der Lektüre seiner Bücher begann … aber das ist vielleicht einmal einen Extra-Beitrag wert … Zurück zu Facebook. Dort gab es auf Birgit Rabischs Post hin auch Reaktionen, auf die ich an dieser Stelle antworten möchte. Der gemeinsame Nenner war: „Das ist doch alles gar nicht so schlimm, Birgit. Mach kein Fass auf. Wer soll denn die Bücher verwechseln?“

 

Nun bin ich nicht nur im herstellenden Buchhandel tätig, sondern hauptberuflich im verbreitenden Buchhandel. Hier also meine buchhändlerische Perspektive:
Der Verlag duotincta lebt von Mundpropaganda. Hat jetzt eine Leserin von ihrer Freundin dieses Buch, das sehr überraschend war und Lust auf andere Bücher der Autorin gemacht hat, empfohlen bekommen, dann geht sie entweder ins Internet und fragt die Suchmaschine ihrer Wahl oder geht in eine Buchhandlung. Selten schreibt man ja die gesamten bibliografischen Daten auf oder bekommt einen Flyer in die Hand gedrückt. Also bleibt meist nur noch der Titel (sicher) hängen, wenn überhaupt. Geht mir ja nach einem Abend voller Gespräche zu Hause angekommen genauso …

Im ersten Fall, also Websuche, ist das ganze Internet indessen mit dem Tod der Autorin des Ullstein Verlags zu gekleistert, Besprechungen, Beiträge etc. Die ersten Shop-Ergebnisse sind natürlich auch von Ullstein bzw. vom Ullstein-Titel. Das sorgt für Verwirrung, vielleicht auch für einen Fehlkauf oder das Verschieben der Kaufentscheidung, das heißt, sie findet wahrscheinlich gar nicht mehr statt. Ich nenne das eine klare Benachteiligung für unseren Titel.

Im zweiten Fall wiederum geht die Leserin in eine Buchhandlung und sagt: „Ich möchte Tod der Autorin.“ Die Leserin steht also mit einer Buchhändlerin oder einem Buchhändler vor einem Bildschirm. Die Bibliografie der Buchhandlung ist im Normalfall an den Katalog eines Barsortiments (Großhandel) angeschlossen. Diese Systeme sehen (leider) alle gleich grau und unübersichtlich aus. In der Regel wird das erste Suchergebnis voll angezeigt, die anderen sind in einem kleinen Fenster in eine Zeile gepackt, wobei nur mit einem Mausschieber zu scrollen ist. Das ist wichtig zu wissen. Denn die Leserin bekommt wahrscheinlich zur Antwort: „Haben wir nicht da. Ist zu morgen bestellbar.“ Das ist natürlich das Ullstein Buch. Unseres ist ja in dem kleinen Fenster versteckt. Am nächsten Tag kommt die Leserin also und will das Buch in Empfang nehmen. Entweder sie merkt, das ist nicht das richtige Buch, oder sie kauft es. Wenn sie merkt, es ist nicht das richtige Buch, dann bekommt sie es aktuell auch Birgit Rabischs Buch am nächsten Tag. Aber je weiter wir uns vom Erscheinungstermin entfernen, um so eher wird das Buch zum Besorgungstitel und dann heißt es: „Ist in ein bis zwei Wochen hier.“ Wie viele andere spannende Literaturtipps hat die Leserin zwischenzeitlich aus dem Bekanntenkreis oder den Medien erhalten? Kommt es zur Bestellung? Auch hier sehe ich eine klare Benachteiligung für unseren Titel.

Wir haben Tod der Autorin zuerst veröffentlicht. Müssen wir nun damit leben, am Markt benachteiligt zu werden? Das Problem ist: bei zwei Verlagen liegen nun zwei Bücher mit demselben Titel auf dem Schreibtisch. Cover und Buch wurden gemacht, gedruckt, beide Titel gingen in die Werbung, beide Titel sind schon im Handel und für beide Titel gibt es schon Besprechungen. Für einen der beiden eine Lizenzvereinbarung zur Übersetzung. Hätte man mal vorher drüber reden sollen … Das habe ich auch Ullstein gesagt. Ullstein wiederum hat zugestimmt und mir versichert, der Titelschutz würde im Hause Ullstein sehr ernst genommen werden. Allerdings ließe sich nicht mehr nachvollziehen, was genau passiert sei, da die für das Projekt zuständige Person nicht mehr im Haus sei.

Unsere kleine Reihe steht ja unter der Frage „Was ist denn da passiert?“. Ich fürchte, das werden wir von Ullstein über die oben genannte Aussage hinaus nicht mehr erfahren. Das Gespräch war dennoch kollegial und gestern erhielten wir Vorschläge, die auf unserer Beschwerde und teils unseren Lösungsvorschlägen basieren. Diese diskutieren wir gerade intern mit Birgit Rabisch. Updates folgen dann an dieser Stelle und auf Mastodon.

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