Die Summer of Love Lesetour macht Station im Literaturhaus Hamburg

Autor: Jürgen Volk

Mit aktuell 10 Stationen tourt Birgit Rabisch auf ihrer Summer of Love Lesetour mit ihrem neuen Roman Putzfrau bei den Beatles durch die Lande. Am 22. April, also gefühlt schon Sommer, fand die Lesung im Literaturhaus Hamburg, veranstaltet vom Literaturzentrum Hamburg, statt. Hier die Rede des dann doch verhinderten Verlegers, die dankenswerter Weise von Autor Lutz Flörke verlesen wurde:

 

Vielen Dank für die warmen Worte des Empfangs und der Begrüßung, Frau Ott. Auch von mir eine herzliches Willkommen zu unserer heutigen Lesung der Hamburger Autorin Birgit Rabisch aus ihrem neuen Roman „Putzfrau bei den Beatles“… Vor etwas mehr als einem Jahr hatten wir die Freude hier an gleicher Stelle eingeladen gewesen zu sein. Damals las Birgit Rabisch aus ihrem Roman „Wir kennen uns nicht“. Von daher bin ich LIT-erprobt und weiß: die Einführung kurz sein soll. Deshalb nur ein paar Worte meinerseits, denn die Uhr tickt!

Birgit Rabisch und mich verbindet eine Geschichte, die schon ein wenig länger währt als die Gründung des Verlags duotincta. Wir waren beide Autoren beim Plöttner Verlag in Leipzig und veröffentlichten dort 2013 unsere Romane, lasen in der Folgezeit zusammen und hielten auch so Kontakt. 2015 kam dann leider das Aus für den Plöttner Verlag. Damit waren wir als Autoren nicht nur ohne Zuhause, Leipzig verlor auch seinen zweitgrößten Belletristik-Verlag. Zwischenzeitlich fand ich mich aber aus den verschiedensten Ursachen, die mir heute selbst schleierhaft sind, bereits mitten in einer Verlagsgründung wieder. Da war es keine Frage, ob wir den ersten Roman, der von Birgit Rabisch bei duotincta erschienen ist ‒ Die vier Liebeszeiten ‒ als Wiederauflage herausbringen würden, nachdem Jonas Plöttner die Rechte an die Autorin zurückgegeben hatte. Zu diesem Roman möchte ich jetzt nicht viel sagen, denn die meisten von Ihnen werden ihn als Rabisch-Leserinnen und -Leser wohl bereits gut kennen. Auch zu Wir kennen uns nicht halte ich mich zurück. Vergangenes Jahr habe ich noch – an Aristoteles‘ Theorie der Tragödie anknüpfend – über die Bezüge zur antiken Tragödie in diesem Roman referiert, natürlich nicht, ohne zu unterschlagen, dass ein Werkzusammenhang zwischen „Wir kennen uns nicht“ und „Die vier Liebeszeiten“ besteht, insofern es in beiden Romanen um die Frage nach der Generation 68, der Auseinandersetzung der heutigen Generation mit den 68ern und umgekehrt geht. Geschieht dies in „Die vier Liebeszeiten“ in Form eines klassischen Liebesromans, von dem Jürgen Tomm, immerhin Berliner Journalistenlegende und zweiter Vorsitzender des Buchhändlerkellers sagt:

„Die Liebe, aber die Liebe – Sie wissen schon. Das gibt angesichts des Todes keinen Trost, aber zumindest einen schönen Roman.“

Nach dem schönen Roman ohne Trost kamen mit „Wir kennen uns nicht“ eleos und phobos, d.h. Jammer/Rührung und Schrecken/Schauder, zumindest in der Übersetzung Fuhrmanns, als Grundaffekte der Tragödie ins Spiel, um das Thema 68 auf andere Weise ins Bild zu setzen. Ein großartiges Stück Literatur kam dabei in Form eines Mutter-Tochter-Konflikts heraus, an dessen Ende auch der Trost nicht fehlte, wenn auch als kartharsis, als Reinigung, wie es die antike Tragödie ja auch verlangt …

Als Birgit Rabisch dann das Manuskript zu „Putzfrau bei den Beatles“ einreichte, war das einzige, das ich wusste nur, dass es sich erneut um das Thema ’68 drehen würde, wobei es mich als Verleger natürlich freut, dass der Titel im Jubiläumsjahr 50 Jahre ’68 erschienen ist – dies ohne Frage – mehr hat mich aber noch der kongeniale Zug gefreut, nach einer Tragödie den Sprung zu wagen, an etwas heranzugehen, das weitaus schwieriger ist, als jeder dramatische Stoff, sei es als Bühnenautor, sei es als Schauspieler: das Schwierige von dem ich spreche, ist die Komödie! Ja, nach Roman, Tragödie in Romanform, folgt nun – trotz allem Ernst und aller Tiefe der Geschichte – eine Komödie, um die aus dem Werk heraus entstandene 68er-Trilogie abzuschließen. Wunderbar, wie ich finde. Wie es dazu kam, wann welche Entscheidung im Werkzusammenhang fiel, diese Fragen darf die Autorin später beantworten. Denn ihr gehört heute der Abend, weshalb es unterlasse, den obligatorischen Bogen von Aristoteles über Umberto Eco zu Birgit Rabisch zu schlagen, sondern die Bühne freigebe: Applaus für Birgit Rabisch und „Putzfrau bei den Beatles“!

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