Engel im Schatten des Flakturms

Michael Kanofsky

17,00  Preis inkl. gesetzlicher MwSt.

Departure. Ich sitze im Prückel. Heute: zum letzten Mal. Draußen schnurrt eine Niederflurtram über die Ringstraße. Der Philosoph Sloterdijk schwingt sich auf sein schwarzgelacktes Bike, braust zu neuen Diskursen oder einer seelenverwandten Studentin mit Modelkörper, wohnhaft in Wien-Margareten. Taubenmist, weiß angetrocknet auf dem Luegerdenkmal. Davor, hockend im Wiesengras, drei Besoffene, die Dosenbier aus ihren Plastiksackerln kramen. Violett neont es heraus aus dem Museum für Angewandte Kunst. Erfolgsverwöhnte Wichtigtuer, mit schwarzen Aktentaschen und kantigen Sonnenstudiogesichtern, steigen in ein Taxi. Der Chauffeur schließt den Kofferraum, schwungvoll, ein fröhlicher Mann. Möwen tanzen über dem Wienfluss. Vor den Kiosken bei der Brücke leuchten die Blumen, tellergroße Sonnen. Der Nachtzug nach Berlin verlässt Wien um Einundzwanziguhrfünfzig. Brěclav. Prag. Dresden. Du hast also Zeit. Nimm sie dir. Vom Windfang des Kaffeehauses aus gesehen ist mein Platz auf der rechten Seite: an einem der nischigen Zweiertische am Fenster. Brille mit dunklem Hornrand. Schulterlange, graublonde Haare. Furchen im Gesicht. Segelohren. Nase: gewöhnlich. Besondere Kennzeichen: keine. Weißes Hemd. Das graue Jackett: liegt auf der Fensterbank. Unter dem Tisch: meine lederne Reisetasche. Vor mir ein Glas Rotwein. Daneben das Notizbuch. Schwarzer Einband. Quartformat. Kariert. Lesebändchen. Der Schreibstift. Ein Geschenk der Gräfin, die du nicht mehr triffst. Schöne Zeiten in ihrer alten Döblinger Schlampenvilla, jaja: aus und vorbei.

Gattung
Roman
Seiten
284
Erscheinungsdatum
02.05.2019
ISBN
978-3-946086-44-4
Ausgabe
Taschenbuch

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